Ableton Live
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Granularsynthese in Ableton Live zur Tempoanpassung in Echtzeit mit und ohne Artefakte

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Bei Ableton Live wurden die Möglichkeiten der Audiobearbeitung in „Echtzeit“ revolutioniert. Nachdem auditives Material in die Software geladen wurde, kann direkt eine Resynthese durch Granularsynthese erfolgen. Die Software lädt förmlich zu wilden Experimenten ein. Jedoch werden diese ab einem gewissen Grad durch Artefakte begrenzt.

Ableton Live basiert auf der Granularsynthese, weil diese weniger rechenintensiv ist als bspw. FFT- oder Waveletverfahren (Vgl. Granularsynthese). Somit erweist sich die Granularsynthese als livetauglich, wie es bereits der Programmname erahnen lässt. Hier ist die Echtzeitfähigkeit von diversen Audiomanipulationen begründet.Bei den anderen, in dieser Arbeit vorgestellten, Verfahren sind die Artefakttoleranzen zwar wesentlich höher, jedoch wird meist ein separates „Rendering“ für die Umsetzung benötigt. Dies geht auf Kosten der intuitiven Bedienbarkeit.

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Das Spezialgebiet von Live ist die zeitliche Anpassung. Ein Loop kann problemlos mitMaterial anderen Tempos gemischt werden. Jede Zählzeit kann mit den Warpmarkern gedehnt bzw. gestaucht, also an die gewünschte Stelle verschoben werden. Somit lassen sich Timingschwankungen und groove Akzente gezielt bearbeiten und anpassen. Dies geschieht mittels „granularem Timestretching“. Die analysierten Grains werden entweder mehrfach hintereinander angeordnet (Streckung) oder es werden vereinzelte Grains ausgelassen (Stauchung). Die algorithmische Manipulationsfähigkeit lässt sich innerhalb eines gewissen Bereichs ohne wahrnehmbare Verfremdung durch Artefakte realisieren. Diese reicht bei komplexem Material in Abletons Software bis etwa 14 %[1]. Erst dann treten deutliche Artefakte hervor, welche sich weiterhin im kreativen Sinne als Effekt einsetzen lassen.

Bei vielen cluborientierten Produktionen sind häufig artefakthaltige Melodielinien wahrnehmbar. Diese sind leicht zu erzeugen und entstehen beispielsweise, wenn man einen Klangbereich zu sehr in seinem zeitlichen Verlauf dehnt und darüberhinaus stark pitcht.

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Je nach Art des Materials können in Ableton zur Qualitätsmaximierung folgende spezialisierte Algorithmen für

lrhythmisches

lflächiges

lmono- oder

lpolyphones Material

angewandt werden.[2]

Dafür gibt es folgende Makros:

Beats:

Dieser Modus ist für rhythmisches, transientenreiches Material geeignet. Zur besseren Erfassung und Quantisierung der einzelnen Zählzeiten läst sich vorab das Raster von einem ganzen Takt bis zu einer Stufe von 1/32 in Schritten des Faktors 2 wählen.

Tones:

Diese Einstellung erweist sich bei tonal, monophonem Material als besonders geeignet. Dabei ist die Größe der Grainhüllkurven bzw. Fensterfunktionen mit dem Parameter „Grain Size“ zwischen einem Wert von 12 bis 100 ms stufenlos einstellbar.

Texture:

Dieses Makro ist speziell für die Bearbeitung komplexer polyphoner Klänge konzipiert. Zu dem höher auflösbaren „Grain Size“ Parameter, hier im Bereich von 2 bis 263, kommt der Parameter „Flux“.Dieser Regler des Texture-Algorithmus führt je nach Einstellungsgrad zu gewissen Ungenauigkeiten in der Auslesung der Grains. Dabei handelt es sich um zufällige Variationen der Graingröße. Dieser ist ein wenig vergleichbar mit dem Spray-Parameter des Granular-Delays aus dem Programm „Mulch’s DLGranulator“.

Re-Pitch und Complex:

Bei diesen beiden Modi lassen sich keine weiteren Parameter einstellen. Wie die Namen schon vermuten lassen, erweisen sich diese Makros vor allem zum Re-Pitchen bzw. zum Bearbeiten von komplexem Material.

Die Änderung der Tonhöhe ist in Ableton bei konstanter zeitlicher Dauer ohne weiteres möglich. Die detaillierte Tonhöhenänderungsfähigkeit scheint hier nur zweitrangig zu sein. Sollen z.B. einzelne Vokal-Passagen korrigiert werden, so muss der zu korrigierende Bereich erst als eigenständiger „Clip“ separiert werden. Die Tonhöhenbearbeitung bezieht sich immer auf den ganzen Clip. Im Gegensatz dazu lässt sich bei der Tempomanipulation jeder einzelne Schlag unabhängig von den anderen im Clip befindlichen verändern.Für die Korrektur einzelner falscher Noten wäre eine Software, wie bspw. Melodyne, besser geeignet. Diese Software analysiert das eingegebene Material und ordnet jeden Klang bzw. jeden musikalischen Ton, bspw. einer Melodielinie, auf einer Notenlinie an. Somit liegen die Klänge in diesem Editor vor und können gesichtet bzw. korrigiert werden. Man kann mit Klängen in ähnlicher Weise flexibel umgehen, wie mit Mididaten.


 

[1]Anselm Rößler: Pocket Guide Musikproduktion, PPV Median Verlag, Bergkirchen 2004, S.285

[2]Carsten Gertzen, Udo Haupt: Timestretching und Pitchshifting Script der Technischen Universität Ilmenau, S.4

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